Sonntag, 17. November 2013

Golem und Dschinn - Helene Wecker

Fantasy und ich sind normalerweise nicht gerade die besten Freunde, aber auf eine sehr überzeugende Empfehlung hin habe ich es probiert. Und ich muss sagen, es hat mich nicht enttäuscht.

Es geht um Chava und Ahmad, die beide außergewöhnlich sind, denn sie ist ein Golem und er ein Dschinn aus der syrischen Wüste. Auf verschlungenen Wegen treffen die beiden in New York aufeinander und dort spielt sich die Geschichte ab.
Aber es ist keine Liebesgeschichte, wie man sie bei dem Titel erwarten würde, ganz im Gegenteil. Man erlebt beide die meiste Zeit getrennt voneinander, wie sie versuchen, sich in der Welt der Menschen zurechtzufinden. Auch ihre Rückschläge und Erfolgserlebnisse erlebt man hautnah mit und nach einiger Zeit haben sich die Charaktere schon beinahe greifbar angefühlt.

Auch das Setting war außergewöhlich: Anstatt dem New York der Amerikaner lernt man das New York der Juden und das der syrischen Einwanderer kennen. Es ist fast, als ob kleine Städte innerhalb der englischsprachigen Mehrheit existieren und es hat mich sehr fasziniert, wie die einzelnen Gemeinschaften durch ihr abgekapseltes Leben so anders waren als die New Yorker, wie man sie eigentlich erwarten würde.

Doch nicht nur fremde Kulturen werden dem Leser näher gebracht, auch Übernatürliches wirkt plötzlich sehr real. Nach Beenden des Buches hatte ich tatsächlich das Gefühl, dass ich, sollte ich jemals nach New York kommen, durchaus Ahmad oder Chava über den Weg laufen könnte.

Selbst eine philosophische Seite hat dieser Roman berührt: Können Lebewesen, die anders sind als wir, sich in unsere Gesellschaft einfinden? Das könnte nicht nur in Bezug auf Dschinn interessant sein, sondern auch auf alle anderen Lebensformen, die ein wenig von der von uns festgelegten Norm abweichen.
Die verschiedensten Reaktionen tauchen in dieser Geschichte auf: Angst, das Bedürfnis zu helfen oder auch Hass.

Dieser Roman war wirklich ein Monatshighlight, wenn nicht sogar Anwärter auf einen Jahresfavoriten.

Egal, wie ihr zu Fantasy steht, lest dieses Buch!

Rating:

 



Kommentare:

  1. Ich merke es mir vor ;). War es ein bisschen so wie Bartimäus in ernst?

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    1. Nein, also ich finde, man kann das nicht so gut vergleichen, weil es um übernatürlichen Wesen in unserer Welt geht und bei Bartimäus gibt es eine ganz eigene magische Welt. Die beiden waren so ein bisschen alleine in der Geschichte.

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